Humboldt-Universität zu Berlin - Deutsch

Zusammenfassung der Ergebnisse zu Kooperationen

Der vorliegende Schwerpunktbericht basiert auf den Daten des BSS aus der Pilotstudie 2021/22 und widmet sich den Kooperationsbeziehungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Berliner Forschungsraum. Der Schwerpunkt der Auswertung liegt auf den Kooperationsstrukturen, Entwicklungspotenzialen von Kooperationen und der Qualität bestehender Kooperationsbeziehungen. Dabei werden bei allen Teilthemen insbesondere die Unterschiede zwischen den Statusgruppen, zwischen den Fächergruppen und, wo relevant, auch zwischen den Geschlechtergruppen beleuchtet und diskutiert.

Die zentralen Ergebnisse sind:

  • Der Berliner Forschungsraum wird für seine Kooperationsmöglichkeiten geschätzt. 70 % der Befragten schätzen die Kooperationsfähigkeit als „gut“ oder sogar „sehr gut“ ein.
  • Das Level an Kooperationen ist bereits sehr hoch. 95 % der Befragten geben an, in ihrer Forschung zu kooperieren. Darüber hinaus finden Kooperationen auch in der Lehre, bei Wissenschaftskommunikation und in der Produktentwicklung statt. Dennoch empfinden mehr als ein Drittel der Befragten einen hohen Erwartungsdruck bezüglich interdisziplinärer Kooperationen.
  • Insgesamt wird am häufigsten mit Partner:innen aus anderen Universitäten kooperiert. Geistes- und Sozialwissenschaftler:innen kooperieren häufiger als andere Fächer mit externen Partner:innen aus der Zivilgesellschaft, während die Ingenieurswissenschaftler:innen insbesondere mit Unternehmen kooperieren.
  • Die Kooperationsbeziehungen der Professor:innen bestehen am häufigsten zu externen Partner:innen aus dem Ausland (84 %), während bei den Post- und Prädocs die Kooperationsbeziehungen zu Partner:innen in Deutschland (ohne Berlin) am stärksten sind. Auch Geisteswissenschaftler:innen kooperieren stärker mit dem Ausland als die anderen Fächergruppen.
  • Vier Fünftel der Befragten kooperieren regelmäßig mit Kolleg:innen aus der eigenen Disziplin (80,7 %), während knapp 50 % regelmäßig interdisziplinär und 18,5 % auch transdisziplinär arbeiten. Dabei ist die Transdisziplinarität in den Ingenieurswissenschaften mit 31% besonders stark ausgeprägt, was hauptsächlich auf die Unternehmenskooperationen zurückzuführen ist.
  • Mit Blick auf die Struktur der Kooperationsbeziehungen geben rund ein Drittel der Befragten an, dass ihre Kooperationsbeziehungen eher stabil sind, d.h. über mehrere Projekte hinweg mit denselben Partner:innen bestehen, während zwei Drittel die Kooperationspartner:innen häufiger wechseln. Bei den Ingenieurswissenschaftler:innen und den Naturwissenschaftler:innen haben die Kooperationsbeziehungen häufiger über mehrere Projekte hinweg Bestand. Gleichzeitig entstehen Kooperationsbeziehungen in diesen Fächern auch etwas häufiger als in den anderen Fächergruppen durch Anfragen Externer.
  • Die Qualität der Kooperationsbeziehungen beschreiben die Wissenschaftler:innen entsprechend ihrer eigenen Erfahrungen als ganz überwiegend gut. Vor allem die „harten“ Erfolgsbedingungen – „Erfüllung der Projektziele“ und „Erfüllung eigener Ziele“ – werden nur von ganz wenigen Befragten als schlecht realisiert bewertet. Schwierigkeiten deuten sich am ehesten bei der Arbeitsteilung, Mittel- und Ressourcenverteilung sowie der Integration verschiedener Arbeitsstile an. Prädocs geben in allen Aspekten von Kooperationsbeziehungen eine weniger gute Beurteilung ab, als Postdocs. Dahingegen geben Professor:innen die besten Bewertungen ab. Besonders groß sind die Bewertungsunterschiede zwischen den Statusgruppen mit Blick auf eine funktionierende Arbeitsverteilung und gerechte Ressourcen- und Mittelverteilung.
  • Das Kooperationspotenzial im Berliner Forschungsraum ist noch nicht ausgeschöpft. So geben knapp 48 % aller Befragten an, dass sie gern mehr kooperieren möchten. Umgekehrt sind knapp 52 % der Befragten mit ihrem Level an Kooperationen zufrieden oder möchten sogar eher weniger kooperieren. Hierbei zeigt sich, dass der Wunsch mehr zu kooperieren mit steigendem Status deutlich abnimmt. Bei Professor:inen ist bereits eine deutliche Sättigung erkennbar, während sich Postdocs und vor allem Prädocs häufiger eine Ausweitung wünschen. Der Wunsch mehr zu kooperieren ist bei den Lebens- und Geisteswissenschaftler:innen am stärksten ausgeprägt.
  • Unterstützung bei der Anbahnung von Kooperationsbeziehungen wünschen sich 39 % der Wissenschaftler:innen im Berliner Forschungsraum . Nicht promovierte Wissenschaftler:innen haben den meisten Unterstützungsbedarf.

 

Aus diesen Ergebnissen lassen sich die folgenden hochschulpolitischen Implikationen ableiten:

Kooperationen gehören bereits ganz überwiegend zum Forschungsalltag. Ausgehend vom Status Quo ist eine Steigerung der Kooperationen nicht immer und überall sinnvoll und zielführend. Gerade auf der Ebene der Professuren ist an vielen Stellen bereits eine Sättigung erreicht. Die promovierten und nicht promovierten Wissenschaftler:innen hegen dagegen einen deutlich größeren Wunsch nach Kooperationen und hierbei insbesondere nach internationalen Forschungskooperationen. In dieser Gruppe sehen wir dadurch ein größeres Kooperationspotenzial. Gleichzeitig gibt es bei dieser Gruppe besondere Unterstützungsbedarfe, nicht zuletzt auch um die derzeit bestehenden Schwierigkeiten bei Kooperationen abzubauen. Unterstützungsangebote beispielsweise bei der Anbahnung von Kooperationen und darüber hinaus auch bei der Ausgestaltung von Kooperationen könnten dazu beitragen die Kooperationspotenziale dieser Gruppe besser zu nutzen.

Brisant ist die Mischung aus Sättigung einerseits und wahrgenommenem Kooperationsdruck andererseits. Auffällig ist, dass nicht nur diejenigen mehr kooperieren wollen, die bisher wenig kooperieren, sondern auch einige derer, die eigentlich bereits ein hohes Level an Kooperationen aufweisen. Hier besteht auch die Gefahr, dass die Kooperationen nicht mehr so gut funktionieren und die Qualität leidet.